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Medien und Geschlechterwissen: Lernen mit Popkultur und Web 2.0

180.037
PS, 2 std., 4 ECTS

Vortragende:
MMag.a Dr.in Anita Thaler / Mag.a Birgit Hofstätter

Ziel:
Die beiden Hauptziele dieser Lehrveranstaltung sind das Sichtbarmachen der Rolle (und Wirkungsweisen) von popkulturellen Medien in informellen Geschlechter-Lernprozessen und der Möglichkeiten des Web 2.0 für aktive Beteiligungen und Umdeutungen von Geschlechterstereotypien.

Inhalt:
In diesem Proseminar geht es um die Frage wie populärkulturelle Medien alltagsweltliches Geschlechterwissen vermitteln (Moser 2010; Thaler 2010a, 2011a) und dieses Wissen sich im Web 2.0 wiederfindet und auch umgedeutet werden kann.

In einem ersten Schritt werden die Konzepte des „informellen Lernens“ (Gruber 2008) des „Geschlechterwissen“ (Dölling, 2005; Wetterer 2008) und der „Medienkonvergenz“ (Schuegraf 2008) anhand relevanter theoretisch fundierter Literatur und anhand angewandter Forschungsbeispiele (Hofstätter 2010, Freitag et al. 2010, Thaler 2008, 2009, 2010b, 2011a) vorgestellt.

Im Rahmen der Einführung zum Konzept des Geschlechterwissens werden dessen unterschiedliche Facetten – vom überwiegend unbewusst angeeigneten impliziten Alltagswissen bis zum wissenschaftlich generierten und versprachlichten Wissen um dieses soziale Konstrukt – diskutiert. Ausgehend davon werden anhand von konkreten Studien beispielsweise die Geschlechterdimension der medialen Darstellung von Technik in Zeitschriften und Fernsehsendungen vorgestellt. So wurden in einer europäischen Vergleichsstudie Bilder von Jugendzeitschriften wie BRAVO und XPress untersucht und der Frage nachgegangen, welches Bild von Technik vermittelt wird und ob damit männliche Konnotationen von Technik sowie nach wie vor vorherrschende TechnikerInnen-Stereotype erklärt werden können (Thaler 2009a, 2009b, 2011a). Eine andere Studie, die in der Lehrveranstaltung vorgestellt wird, beschäftigte sich mit den zum Teil subtil vermittelten Botschaften hinsichtlich Geschlechterverhältnissen in populären Filmproduktionen am Beispiel der Twilight Saga (Hofstätter 2010). Web 2.0-Technologien führten dazu, dass aus MedienkonsumentInnen z.T. aktive RezipientInnen werden, die z.B. Filmgeschichten in Onlineforen gemeinsam weiterspinnen oder Fernsehausschnitte in einem kreativen Prozess neu zusammenstellten, gerade um zum Beispiel stereotype Geschlechterzuschreibungen umzudeuten oder aufzulösen (z.B. http://www.rebelliouspixels.com)

In einem zweiten Schritt lernen die Studierenden das informelle Lernpotenzial des Web 2.0 kennen (Schachtner 2008) und lernen exemplarisch Online-Medien (z.B. Onlineforen, Weblogs, Youtubeclips) aus der Geschlechterforschungsperspektive heraus zu analysieren (Hofstätter & Thaler 2011, Thaler 2010a, 2011b). Die Medienanalysen orientieren sich an sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden (u.a. nach Faulstich 1988, siehe auch Hepp & Winter 2008) und wurden von den Lehrveranstaltungsleiterinnen (weiter-)entwickelt.

In einem dritten Schritt folgt die Verschriftlichung der eigenen recherchen und exemplarischen Medienanalysen in einer Proseminararbeit mit Fokus auf das analysierte Geschlechterwissen der untersuchten Web 2.0 Anwendungen, sowie ein Erfahrungsaustausch unter den Studierenden und die Reflexion eigener (informeller) Lernprozesse im Zuge der Lehrveranstaltung.

LV-Termine:
jeweils Donnerstag, 11.00 – 16.00 Uhr
15.03.; 19.04.; 10.05.; 31.05.2012

Ort der LV:
Universität Klagenfurt

Methoden:
Blended learning:
1. Präsenzveranstaltung in geblockter Form:

  • Vorträge (zu Theorie und angewandter Forschung)
  • Workshop (Analysen von Online-Medien)
  • Reflexionen

2. Virtuelle Zusammenarbeit:

Prüfungsbeschreibungen:
Mitarbeit (Lektüre ausgewählter Texte, Übungen), Hausübungen (exemplarische Medienanalysen) und Proseminararbeit

Literatur:
Dölling, Irene (2005). „Geschlechter-Wissen“ – ein nützlicher Begriff für die „verstehende“ Analyse von Vergeschlechtlichungsprozessen? In: Zeitschrift für Frauenforschung und Geschlechterstudien 23, 44-62.

Faulstich, Werner (1988). Die Filminterpretation. 2nd edition 1995. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Freitag, Daniela; Hofstätter, Birgit & Wächter, Christine (2010). Investigating Representations of People and Technology: A Gender-sensitizing Workshop Concept in Engineering Education. In: SEFI – Société Européenne pour la Formation des Ingénieurs (Hg.). Proceedings of the Joint International IGIP-SEFI Annual Conference 2010. Diversity unifies – Diversity in Engineering Education, 19th to 22nd September 2010, Trnava, Slovakia (CD-ROM). Brussels: SEFI.

Hepp, Andreas & Winter, Rainer (2008). Kultur – Medien – Macht. Cultural Studies und Medienanalyse. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Hofstätter, Birgit (2010). “Gender relations in mainstream teenage films: The Twilight Saga.” In: Sandra Karner & Günter Getzinger (Hrsg.). Proceedings of the 9th Annual IAS-STS Conference on Critical Issues in Science and Technology Studies. 2nd-4th May 2010.  [CD-ROM] Graz: IFZ Eigenverlag.

Hofstätter, Birgit & Thaler, Anita (2011). Lernen mit ‚sozialen Medien‘? Evaluation einer blended learning Lehrveranstaltung. IFZ Electronic Working Papers 2-2011. ISSN 2077-3102. In: http://www.ifz.tugraz.at/Publikationen/Electronic-Working-Papers [29.9.2011]

Gruber, Elke (2008). Lernen ein Leben lang – aber wie? In: Christina Schachtner & Angelika Höber (eds.). Learning communities. Das Internet als neuer Lern- und Wissensraum. Frankfurt/New York: Campus, 71-82.

Moser, Andrea (2010). Kampfzone Geschlechterwissen. Kritische Analyse populärwissenschaftlicher Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit. Wiesbaden: VS Verlag.

Schachtner, Christina (2008). Learning Communities – Das Bildungspotenzial kollaborativen Lernens im virtuellen Raum. In: Christina Schachtner & Angelika Höber (eds.). Learning communities. Das Internet als neuer Lern- und Wissensraum. Frankfurt/New York: Campus,11-39.

Schuegraf, Martina (2008). Medienkonvergenz und Subjektbildung: Mediale Interaktionen am Beispiel von Musikfernsehen und Internet. Wiesbaden: VS Verlag.

Thaler, Anita (2008). Geschlechterwissen in virtuellen Lernräumen. In. Jutta Pauschenwein & Maria Jandl. (Hrsg.) 10 Jahre E-Learning in Österreich. Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des „ZML – Innovative Lernszenarien“ an der FH JOANNEUM. In: http://www.fh-joanneum.at/aw/home/Forschung_und_Entwicklung/zml/Publikationen/Papers/~bjjp/zml_papers_/?lan=de [05.06.2008], S. 50-61.

Thaler, Anita (2009a). “Learning technology?” About the informal learning potential of youth magazines. In: Daniela Freitag, Bernhard Wieser & Günter Getzinger (eds.) Proceedings 8th Annual IAS-STS Conference on Critical Issues in Science and Technology Studies. Graz: CD-Rom. ISBN: 978-3-9502678-1-5. Download: http://www.ifz.tugraz.at/index_en.php/article/articleview/1817/1/58 [28.10.2009]

Thaler, Anita (2009b). Youth, gender and SET [Science, Engineering, Technology] in media (WP2). Final report. In: Forschungsberichte Frauen – Technik – Umwelt. In: http://www.ifz.tugraz.at/Publikationen/Forschungsberichte/Frauen-Technik-Umwelt [18.12.2009]

Thaler, Anita (2010a).E-Learning und Gender. In: Anita P. Mörth & Barbara Hey (Hg.). Geschlecht und Didaktik. Koordinationsstelle für Geschlechterstudien, Frauenforschung und Frauenförderung der Universität Graz: Grazer Universitätsverlag. S. 135-141.

Thaler, Anita (2010b). Informal modes of technology learning and its gender implications. In: Sandra Karner & Günter Getzinger (eds.). "Proceedings of the 9th Annual IAS-STS Conference on Critical Issues in Science and Technology Studies", 3th-4th May 2010, (CD-ROM), IFZ Eigenverlag, Graz, ISBN Nr. 978-3-9502678-3-9.

Thaler, Anita (2011a). „Learning Gender” – Das informelle Lernpotential von Jugendmedien. In: Hanna Rohn, Lisa Scheer, Eva Zenz (Hg.). Sammelband zur FrauenFrühlingUniversität Graz 2009. Graz: Planet Verlag, S. 115-127.

Thaler, Anita (2011b). Informal learning with social media and its potential for a democratisation of education. In: Birgit Hofstätter & Günter Getzinger (eds.). "Proceedings of the 9th Annual IAS-STS Conference on Critical Issues in Science and Technology Studies", 2th-3th May 2011, (CD-ROM), IFZ Eigenverlag, Graz, ISBN Nr. 978-3-9502678-3-9.

Wetterer, Angelika (2008). Gender-Expertise, feministische Theorie & Alltagswissen: Grundzüge einer Typologie des Geschlechterwissens. In: Lydia Plöger & Birgit Riegraf (eds.): Geschlechterwissen und Geschlechterkompetenz. Zwischen Wissenschaft und Politik. Opladen: Barbara Budrich Verlag, 81-99.